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Symposium Photodermatologie XI - 2021

Ärztliche Leitung: Priv.-Doz. Dr. med. Helger Stege, Klinikum Lippe,
Klinik für Dermatologie, Detmold

La Roche Posay

DDG-Poster: Spät manifeste erythropoetische Porphyrie verursacht durch Mosaikbildung nach Strahlen- und Chemotherapie sowie autonomer Blutstammzelltransplantation eines großzelliges B-Zell-Lymphoms


Estefanía Lang1, Kuerten V1, Stefaniak R2, Humme D2, Neumann NJ1, Frank J1

1 Dept. of Dermatology and German Porphyria Specialist Centre, Heinrich Heine University Duesseldorf, Duesseldorf, Germany;
2 Dept. of Dermatology, Venereology and Allergology, Charité University Hospital Berlin, Germany.

EINLEITUNG

Bei den Porphyrien handelt es sich um eine Gruppe vorwiegend hereditärer, klinisch und genetisch heterogener Erkrankungen, die durch einen spezifischen Defekt eines der Enzyme der Häm-Biosynthese verursacht werden. Aus dermatologischer Sicht können die Porphyrien in kutan und nicht kutan eingeteilt werden. Die häufigste im Kindesalter auftretende kutane Porphyrieform stellt die erythropoetische Porphyrie (EPP) dar, die mit Schmerzen, Jucken und Brennen auf der Haut im Sinne einer phototoxischen Reaktion einhergeht. Ursache dafür ist eine Mutation im Ferrochelatase-Gen, die zu einem partiellen Mangel der Ferrochelatase (FECH) führt, das letzte Enzym der Häm-Biosynthese. Dadurch kommt es zur Akkumulation von Protoporphyrin IX in Erythrozyten, die dann in verschiedene Organe wandern (z. B. Leber, Haut). 

FALL

Ein 57-jähriger kaukasischer Mann entwickelte 2009 erstmals schmerzhafte, brennende und stechende Empfindungen, gefolgt von Erythemen und Ödemen an den sonnenexponierten Körperstellen während eines Urlaubs. Sechs Jahre zuvor hatte er ein großzelliges B-Zell-Lymphom (LBCL) diagnostiziert mit einem Rückfall ein Jahr später. Seine weitere Anamnese war unauffällig und er nahm keine Medikamente ein. Die Therapie für das LBCL bestand aus einer Chemotherapie, Strahlentherapie und autonomen Blutstammzelltransplantation im Jahr 2005.

MATERIAL UND METHODEN

Biochemische und enzymatische Analysen bestätigten die Diagnose einer EPP. Durch Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung wurde zunächst eine Deletion der FECH-Region auf Chromosom 18q21.3 ausgeschlossen. Nachfolgende Leukozyten-DNA-Sequenzierung zeigte im Vergleich zu einer Kontrolle eine bekannte nonsense-Mutation, p.R298X (c.892C> T), 1 in Exon 8 in Kombination mit der IVS3-48T / C-Variation in trans. Interessanterweise war das mutierte T-Allel an Position 298 im anfänglichen Elektropherogramm, das von einer im Jahr 2009 erhaltenen DNA-Probe und reproduzierbar niedriger als das Wildtyp-C-Allel stammte, kaum sichtbar, was auf Mosaikbildung schließen ließ. In Übereinstimmung mit dieser Annahme zeigte die Sequenzierung von DNA, die aus kultivierten Fibroblasten des Patienten stammte, Abwesenheit von p.R298X. Die hypomorphe Variation IVS3-48 war in allen Proben des Patienten nachweisbar. Ein Vergleich der Blut-DNA-Probe von 2009 mit einer aus dem Jahr 2011 zeigte eine Erweiterung des mutierten T-Allels.

DISKUSSION

Die meisten der seltenen Fälle von EPP in einem späten Stadium (nicht in der Kindheit wie üblich) ereigneten sich in Verbindung mit einem myelodysplastischen Syndrom oder einer myeloproliferativen Störung aufgrund einer Deletion auf dem Chromosom 18q2,3, der Region, in der sich das FECH-Gen befindet. Bei unserem Patienten entstand die Krankheit jedoch nur aus einem de novo-Mutationsereignis im Blut, welches den Mosaik widerspiegelte. Dies wurde durch Mutationsanalyse des FECH-Gens sowohl in Blut als auch in Fibroblasten bestätigt. Die Zunahme des mutierten T-Allels im Laufe der Zeit veranlasste uns, nach einem möglichen Rückfall der LBCL zu suchen, der glücklicherweise ausgeschlossen werden konnte. Unseres Wissens ist dies der erste Bericht über eine spät manifeste EPP aufgrund eines Blutzellmosaiks, der durch eine spontane FECH-Mutation nach einer Chemotherapie, autologen Blutstammzelltransplantation und Strahlentherapie eines großen B-Zell-Lymphoms verursacht wird. Theoretisch könnte die Mutation während eines der drei therapeutischen Regime aufgetreten sein. Da für die EPP keine kausale Behandlung zur Verfügung steht, sollte ein Schutz vor UV-Strahlung mittels ausreichendem Sonnenschutz empfohlen werden.

LITERATUR

  1. Di Pierro et al., Hum Genet, 2004; 114:608
  2. Goodwin et al., Blood, 2006; 107:60-62
  3. Sarkany et al., Br J Dermatol, 2006; 155:464-466

Poster veröffentlicht auf der 49. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, 26. – 29. April 2017, Berlin